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Türen

von Sebastian Sesing (Kommentare: 0)

Wir erleben in diesen schwierigen Zeiten des Corona-Virus, was es bedeutet, uns nicht mehr frei, wie wir es uns gewohnt sind, zu bewegen.

In einem Gedicht von Hilde Domin heisst es:

 

Nur zwei Türen

sind verriegelt.

Alle andern laden dich ein

und öffnen dem leisesten

Druck deiner Neugier.

 

Nur diese Türen sind

hart zu öffnen

dass deine Kräfte nicht reichen.

Kein Schreiner kommt und

hobelt sie ab und ölt

die widerspenstigen Riegel.

 

Die Tür die sich hinter dir

schloss und du bist

draussen.

Die Tür die vor dir sich sperrt und du

bist drinnen.

 

Es gibt Türen, die sind jetzt zu. Ich fühle mich drinnen. Aufgehoben oder eingesperrt? Oder ich erlebe mich draussen, abgeschottet von Kontakten, von hautnaher Nähe, die mir doch gerade jetzt so gut täte. Und wir wissen nicht, wohin es geht. Und wie es zu einer Entspannung kommt. Wir sind drinnen. Und draussen. Gefühlsmässig wohl oft in Beidem gleichzeitig.

 

Aber es gibt Türen, die öffnen sich. Was es dazu braucht? Neugier, sagt die Dichterin. Nur ein leiser, neugieriger Druck. Das wünsche ich mir, das wünsche ich dir: dass Neugier erwacht in uns, sanft, leise, die uns einlädt, neue, offene Zugänge auf ein bisher so kaum wahrgenommenes Stück Leben zu entdecken. Ganz in uns drin, noch verborgen. Und um uns herum, sanft sprossend.

 

Gute 24 Stunden. Achtet gut auf euch. Achtet gut auf diesen Tag.

Alfred Meier

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