"Fetisch Autonomie. Oder: Wie wir aus der Care-Krise kommen", Vortrag und Austausch mit Prof. Dr. Barbara Thiessen

-

Unabhängigkeit, Selbstbestimmung, Autonomie gelten als zentrale Werte in unserer hochentwickelten, mobilen Wissensgesellschaft. Damit sind auch individuelle, selbstbestimmte Lebenswege – etwa für Frauen – möglich geworden. Auf der Rückseite zeigt sich jedoch eine Entwertung und Verdrängung von Angewiesenheit, Verletzbarkeit und Kontingenz. Die alte Geschlechterordnung, die Frauen die Zuständigkeit für Erziehung, Pflege und Versorgung – kurz Care – zugeschrieben hat, funktioniert nicht mehr. Die Entkopplung weiblicher Lebensläufe von Care-Arbeit stellt eine historische Befreiung dar. Sie bedeutet aber auch: Care, also die Sorge um Andere macht sich nicht (mehr) ‚von allein’, d.h. nicht mehr als weiblicher ‚Liebes-Dienst‘, der im unsichtbaren Privaten der Familie vorausgesetzt werden kann. Auch in den Care-Berufen ist die Entwertung von Fürsorge wirksam. Die Arbeitsanforderungen sind hoch, die Arbeitsbedingungen verschlechtern sich.

Im Vortrag werden diese Entwicklungen unter die Lupe genommen und Wege aus der Care-Krise diskutiert.

Zurück