Schatztruhe

Gute 24 Stunden

Wann wird man unsere Kinder lehren, was sie selbst sind?

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Wannwird man unsere Kinder
inder Schule lehren, was sie selbst sind?
Jedemdieser Kinder sollte man sagen:
Weißtdu, was du bist?
Dubist ein Wunder!
Dubist einmalig!
Aufder ganzen Welt gibt es kein zweites Kind,
dasgenauso ist wie du.
UndMillionen von Jahren sind vergangen,
ohnedass es je ein Kind gegeben hätte wie dich.
Schaudeinen Körper an, welch ein Wunder!
DeineBeine, deine Arme, deine geschickten Finger,
deinenGang.
Ausdir kann ein Shakespeare werden,
einMichelangelo, ein Beethoven.
Esgibt nichts, was du nicht werden könntest.
Jawohl,du bist ein Wunder.
Undwenn du erwachsen sein wirst,
kannstdu dann einem anderen weh tun,
der,wie du selbst,
auchein Wunder ist?

 

Pablo Casals, dergroße spanische Cellist

Die Bekehrung des Knaben

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Rabbi Ahron kam einst in die Stadt, in der der kleineMordechai, der nachmalige Rabbi von Lechowitz, aufwuchs. Dessen Vater brachteihm den Knaben und klagte, dass der im Lernen keine Ausdauer habe. „Lasst ihnmir eine Weile hier“, sagte Rabbi Ahron. Als er mit dem kleinen Mordechaiallein war, legte er sich hin und bettete das Kind an sein Herz. Schweigendhielt er es am Herzen, bis der Vater kam. „Ich habe ihm ins Gewissen geredet“,sagte er, „hinfort wird es ihm an Ausdauer nicht fehlen.“

Wenn der Rabbi von Lechowitz diese Begebenheit erzählte,fügte er hinzu: „Damals habe ich gelernt, wie man Menschen bekehrt.“

MartinBuber

Stufen

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Wie jede Blüte welkt
und jede Jugend dem Alter weicht,
blüht jede Lebensstufe,
blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in and're, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen,
der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten!
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
und traulich eingewohnt,
so droht Erschlaffen!
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
uns neuen Räumen jung entgegen senden:
des Lebens Ruf an uns wird niemals enden.
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Hermann Hesse

Leben

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Was ist Leben?

Leben ist eine Gelegenheit                             Nutze sie
Leben ist Schönheit                                Bewunderesie
Leben ist ein Traum                               Verwirklicheihn
Leben ist Herausforderung                             StellDich ihr
Leben ist Pflicht                               Leistesie
Leben ist eine Reise                                Vollendesie
Leben ist ein Spiel                               Spieles
Leben ist teuer                               Schätzees
Leben ist Reichtum                                  Bewahreihn
Leben ist Liebe                               Genießesie
Leben ist ein Geheimnis                             Lüftees
Leben ist ein Versprechen                             Erfüllees
Leben ist Leid                                 Überwindees
Leben ist ein Lied                               Singees
Leben ist Kampf                               Nimmihn an
Leben ist eine Tragödie                             Seigefasst
Leben ist ein Abenteuer                             Wagees
Leben ist Leben                               Erhaltees
Leben ist Glück                               Maches

 

Bewahre und achte es, es ist wertvoll.

 

Mit PC geschriebener Zettel (Original in Englisch) an derWand im Büro des Kinderhauses der „Missionaries of Charity“ in Kalkutta.

"Ja, es gibt das Christkind"

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Was die „Sun“ vor 100 Jahren der kleinen Virginia schrieb

Ich bin acht Jahre alt. Einige von meinenFreunden sagen, es gibt kein Christkind. Papa sagt, was in der Sun steht, istimmer wahr. Bitte sagen Sie mir, gibt es ein Christkind? , Virgina O‘Hanlon

“Ja, es gibt das Christkind”

Der Brief derkleinen Virginia war dem Chefredakteur so wichtig, dass er seinen erfahrenenKolumnisten Francis P. Church mit der Antwort betraute – auf der Titelseite derSun:

„Virginia,

Deine kleinen Freunde haben nicht Recht. Sie glauben,dass es nicht geben kann, was sie mit ihrem kleinen Geist nicht erfassenkönnen.  Aller Menschengeist ist klein;ob er nun einem Erwachsenen oder einem Kind gehört, im Weltall verliert er sichwie ein winziges Insekt. Solcher Ameisenverstand reicht nicht aus, die ganzeWahrheit zu erfassen und zu begreifen.

Kein Mensch siehtes

Ja, Virgina, es gibt ein Christkind. Es gibt es so gewisswie Liebe und Großherzigkeit und Treue. Weil es all das gibt, kann unser Lebenschön und heiter sein. Wie dunkel wäre die Welt, wenn es kein Christkind gäbe!Es gäbe dann auch keine Virginia, keinen Glauben, keine Poesie  - gar nichts, was das Leben erst erträglichmachte. Ein Flackerrest an sichtbarem Schönen bleibe übrig. Aber das Licht derKindheit, das die Welt ausstrahlt, müsste verlöschen.

Es gibt ein Christkind. Sonst könntest Du auch denMärchen nicht glauben. Gewiss, Du könntest Deinen Papa bitten, er solle amHeiligen Abend Leute ausschicken, das Christkind zu fangen. Und keiner vonihnen bekäme das Christkind zu Gesicht – was würde das beweisen? Kein Menschsieht es einfach so. Das beweist gar nichts. Die wichtigsten Dinge bleibenmeistens unsichtbar. Die Elfen, zum Beispiel, wenn sie auf Mondwiesen tanzen.Trotzdem gibt es sie.

All die Wunder zu denken – geschwiege denn sie zu sehen,das vermag nicht der Klügste auf der Welt.

Was Du auch siehst, Du siehst nie alles. Du kannst einKaleidoskop aufbrechen und nach den schönen Farbfiguren suchen. Du wirst einigebunte Scherben finden, nichts weiter. Warum? Weil es einen Schleier gibt, dennicht einmal alle Gewalt auf der Welt zerreißen kann. Nur Glaube und Poesie undLiebe können ihn lüften. Dann wird die Schönheit und Herrlichkeit dahinter aufeinmal zu erkennen sein. „ Ist das denn auch wahr?“, kannst Du fragen. Virginia,nichts auf der ganzen Welt ist wahrer und nicht beständiger.

Das Christkind lebt, und ewig wird es leben. Sogar inzehnmal zehntausend Jahren wird es da sein, um Kinder wie Dich und jedes offeneHerz mit Freude zu erfüllen. Frohe Weihnacht, Virginia.

Dein Francis P. Church“

Der Briefwechselzwischen Virginia O’Hanlon und Francis P. Church stammt von 1897. Er wurde biszur Einstellung der Zeitung 1950 alle Jahre wieder zur Weihnachtszeit auf derTitelseite der New Yorker Sun abgedruckt. Für uns ist dieser Briefwechsel heutenoch genauso lebens- und liebenswert wie damals. Virginia O’Hanlon starb 1971im Alter von 81 Jahren. Ihre Frage nach dem Christkind aber lebt weiter.

(Allgäuer Zeitung, 24.12.1997)