Lebensschule Bad Herrenalb

„Wenn Therapie zur Lebensschule wird", heißt der Untertitel des Buches: "Das Leben neu beginnen" von Martin Hambrecht.

In ihm beschreibt er das Bad Herrenalber Modell. Außerdem hat er dessen therapeutische Wirkung auch in einer Doktorarbeit untersucht.

Sein Fazit: 
"Eine beträchtliche Anzahl hatte jene Lernerfahrung gemacht, die als Ziel einer Lebensschule postuliert worden waren. Bestätigt wurden die Ergebnisse zur Klinik-Atmosphäre." 
(Hambrecht, Martin 1982, S.314: Von der Psychotherapie zur Lebensschule - Ein Konzept und seine Realisierung - Dissertation, Hamburg)

1971 konzipierte Dr. Walter Lechler mit einem Team junger Ärzte die Psychosomatische Klinik im Stadtteil Kuhlenmühle von Bad Herrenalb. Sie wich vom Bild üblicher stationärer Behandlung ab. Sie verband psychosomatische Klinik, therapeutische Gemeinschaft und den Selbsthilfegruppenansatz der AA zu einem wirkungsvollem Ganzen - der Lebensschule Bad Herrenalb. In einer später erweiterten Konzeption sollten zu der Klinik noch Begegnungsstätte in Form eines Hotels mit Restaurant und Café nebst einladenden Nebenräumen wie Schwimmbad, Whirlpool, Sauna, verbunden mit einem Seminar- und Kongresszentrum hinzukommen. In der Klinik sollten suchende und motivierte Menschen eine Gelegenheit haben, in einem intensiven, vielleicht nur drei bis vier Wochen dauerden Prozess Anstöße zu einer Neu- und Umorientierung zu erhalten. Die Begegnungsstätte sollte die Möglichkeit geben, dass während des stationären Aufenthalts die signifikanten Angehörigen der Gäste der Klinik im Rahmen einer Familienwoche mit in den Prozess einbezogen werden können. Außerdem könnten alle, die sowohl mit dem Klinikansatz wie mit dem Zwölf-Stufen-Programm oder auch anderen Genesungsprogrammen in Verbindung gekommen sind, an diesem gastlichen Ort zum Kräfte-, Hoffnung- und Ausblick-Finden zurück kommen.

"Das Haus sollte gerade auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen, damit viele mit einer anderen Art des Lebens in Kontakt treten konnten." 
(Lechler 1994, S.30)

Ich habe selbst von diesen Kontakten damals in Bad Herrenalb und später in den Seminaren in Walzenhausen einiges von dieser geistigen Heimat und auch körperlichen Wärme "geschnuppert und gekostet".

"Es wäre zu wünschen, dass in der unmittelbaren Umgebung dieses speziellen Ortes ein Landgut wäre, ein Bauernhof mit Tieren und Gärten und Feldern, wo wir das Wunder des Keimens und Wachsens im täglichen, aktiven Umgang damit unmittelbar erfahren dürften." (Ebd., S.30)

In Zeiten knapper Kassen werden sich wohl solche Kurzprogramme zur Neuorientierung mit anschließender Fortsetzung in A-Gruppen oder selbstfinanzierter, ambulanter Programme, eher finanzieren lassen als einseitig medizinisch-aufgeblähte Klinikzentren mit schlaffer Wirkung.

Wichtige Bausteine in der Lebensschule sind:

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„Der Casriel New Identity Process"

Der Casriel-Prozess ist einer der Schwerpunkte des Bad Herrenalb Modells. Er prägt die Atmosphäre und fördert die allgemeine therapeutische Arbeit in der Klinik. Intensiv-Gruppen ermöglichen in kurzer Zeit den Zugang zu abgewehrten Emotionen und Bedürfnissen. Endlich einmal erfahren und herausschreien können, was Jahre und Jahrzehnte schmerzlich verborgen war, dabei gehalten, geschützt und angenommen werden, eröffnet neue Lebensmöglichkeiten. Die Bedeutung der eigenen Gefühle wiederzuentdecken und die Berechtigung zu spüren, danach zu leben, helfen die eigene Identität zu entwickeln. 
Die intensive Körperarbeit und der engen Körperkontakt stellen für Viele eine Grenzbelastung dar, die Mut und Ermutigung verlangt. Jeder Gast kann selbst entscheiden, ob er an diesem Gruppenprozess teilnehmen will.

Die therapeutische Lehr-/Lerngemeinschaft

Sie ist das Zusammenspiel aller Mitarbeiter/innen und Gäste der Klinik und dauerndes Übungsfeld der Begegnung und Kommunikation. Sich mitteilen und am Leben des anderen teilnehmen, kann sich hier wieder entwickeln. Mitarbeiter/innen und Gäste sprechen sich mit Du und ihren Vornamen an.

Das Zwölf-Schritte-Programm

Das Zwölf Schritte Programm der Anonyme Alkoholiker und die regelmäßig stattfindenden Meetings sind Orientierung für einen Genesungsweg, der in der Klinik beginnt. Das Zwölf-Schritte-Programm ist die geistige und spirituelle Grundlage des therapeutischen Prozesses.

Fastenvereinbarungen

Vorbedingung und therapeutischer Einstieg in das Behandlungsprogramm sind unsere Fastenvereinbarungen. Sie sind tägliche Herausforderung und Motivationsprüfung zugleich. Der Gast und seine Umgebung lernen so Kraft und Dynamik ihrer Gewohnheiten kennen und werden täglich angeregt, Verhaltensänderungen zu wagen."

Konzept der Stiftung für sozio-psychosomatische Medizin

Fasten bezieht sich auf die Abstinenz von Medikamenten (ausgenommen der medizinisch notwendigen), Alkohol, Tabakwaren, Medizin, Fahrzeuge, Zeitungen, Verhaltensweisen wie: sexuelle Beziehungen, co-abhängiges Helferverhalten und Ersatzbeschäftigungen aller Art.